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Das Flugbegleiter ABC

Am Montag habe ich einen Umlauf aus dem SBY gewonnen. Checkin um 0300 UTC. Pünktlich sitze ich mit CP, FO und FAs im Crewraum, die netterweise schon den CBR gedruckt haben. Es geht nach LPA mit Overnight Layover in RLG. Heute stehen zwei AVIH und ein WCHS outbound sowie ein PETC und ein UM inbound als Specials auf dem Programm. Zusätzlich noch fünf INFT. Ein Träumchen :)

An Bord kümmern sich die Kollegen um die EECL während ich das Catering checke. Im CLB entdecke ich dann noch eine neue #WO die unseren Arbeitstag beeinflussen wird und informiere die Kollegen über PA darüber.

Als dann auch der ASS completed ist, sind wir ready for boarding. Auf gehts!

 

Na, wieviel habt ihr wirklich verstanden?
Für uns als fliegendes Personal sind die ganzen Kürzel und 3-Letter-Codes längst ins Blut übergegangen und somit fällt es Außenstehenden oftmals schwer, die Gespräche zwischen Kollegen aus der Fliegerei zu verstehen. Wenn ich Zuhause manchmal von Erlebnissen an Bord erzähle, muss ich mich sehr konzentrieren, alle Dinge "fußgängergerecht" zu erklären.

Und auch wenn Euch manchmal in meiner Instastory mitnehme und ganz happy erzähle, dass wir heute "ein Leg ferry fliegen", ist mein Postfach hinterher voll mit Euren Nachfragen.

Sehr verständlich natürlich, deswegen hier nun ein paar Erläuterungen für Euch.

Ich hoffe das hilft Euch in Zukunft, mich etwas besser zu verstehen :)

Das Flugbegleiter ABC

A wie Afterlanding

 

Als Afterlanding bezeichnen wir das gemeinsame Beisammensitzen nach einem Flug. Oftmals landet man nicht an seiner Homebase und hat dann als ganze Crew den Abend über frei.

Da wird dann gerne die Hotelbar oder manchmal auch einfach das Zimmer von einem Crewmitglied geentert und dort der Feierabend zelebriert.
Ich für meinen Teil finde Aftelandings wirklich super, um die Kollegen auch mal privat kennenzulernen denn während der Arbeit hat man dann doch nicht so viel Zeit über Gott und die Welt zu reden.

Umso besser, dass es die Afterlandings gibt.


B wie Briefing

 

Jeder Flug beginnt mit dem gemeinsamen Briefing der gesamten Crew im Crewraum eine Stunde vor Abflug.

Hier informiert der Purser (siehe "P") über die Art des Fluges, das Servicekonzept, besondere Passagiere oder Specials und allgemeine Besonderheiten. Zudem gibt einem der Kapitän die Flugzeiten und das voraussichtliche Wetter des Streckenverkaufes durch. Dementsprechend wird der Service dann nämlich manchmal umgestellt. Außerdem findet ein Extrabriefing für die Bereiche Flight Safety und First Aid statt. Der Senior (andere Bezeichnung für Purser) sucht sich hierbei bestimmte Themengebiete aus, über die gesprochen werden sollen.

Ein Beispiel aus meinem letzten Flug: In First Aid habe ich abgefragt, wie man bei einer Ohnmacht eines Passagiers vorgeht und was die Ohnmacht von einer Bewusstlosigkeit unterscheidet.

 


C wie CBR (Crew Briefing Report)

Der Crew Briefing Report ist ein Dokument, welches jedem Flugbegleiter vor Flugantritt alle wichtigen Informationen über den Flug gibt.

Hier finden sich Passagierzahlen und Platzreservierungen, Informationen über Flugzeugmuster, geplante Flugzeiten und technische Besonderheiten aber auch Kontaktdaten von externen Firmen wie Cleaning, Rampagenten und Catering.

Außerdem gibt es Vermerke über besondere Ladung, beispielsweise Tiere im Hold oder in der Kabine, über Passagiere mit Einschränkungen und sogar vorbestelltes Essen, beispielsweise bei Veganern oder Menschen mit Laktoseintoleranz. 


D wie Deadhead

 

Jemand der deadhead fliegt, schwebt nicht etwa in Lebensgefahr.

Es handelt sich einfach um einen Flugbegleiter, der nicht aktiv im Dienst ist.

Häufig kommt das z.B. vor, wenn ein Kollege einer anderen Base einen Flug aktiv durchgeführt hat und danach mit einer anderen Crew nach Hause fliegt, die ihn dann an seiner Homebase abladen.


E wie EECL (Emergency Equipment Checklist)

 

Die EECL ist eine Checkliste des Notfallequipments und wird vor jedem Flug durchgeführt. Hierbei wird zum Beispiel kontrolliert, ob unter jedem Sitz eine Schwimmweste ist (denn manchmal werden diese von unbedachten Passagieren einfach mitgenommen und würden wir dann nicht auf dem nächsten Flug kontrollieren ob alle da sind, würde man im Notfall ganz schön alt aussehen), ob alles sicher verstaut und aufgefüllt ist. Unsere Sauerstoffflaschen müssen beispielsweise einen bestimmten Wert anzeigen, es müssen alle Erste Hilfe Koffer an Bord sein und das Interphone wird kontrolliert. Wir als Kabinencrew sind für diesen Check innerhalb des Flugzeugs verantwortlich während die Cockpitbesatzung einen ähnlichen Check außerhalb des Flugzeugs durchführt. Hier wird nochmal jede Klappe und jede Öffnung kontrolliert. Für das Briefing am Morgen, den Gang durch die Sicherheitskontrolle zum Flugzeug sowie die EECL selbst und das anschließende Boarding der Passagiere, ist immer nur eine Stunde eingeplant. Dementsprechend könnt ihr Euch vorstellen, wie stressig es vor dem Flug manchmal bei uns zugeht.


F wie FA (Flightattendant)

 

Ein FA ist ein ganz normaler Flugbegleiter oder eben auch eine Stewardess. Das letzte Wort ist mittlerweile gar nicht mehr so gebräuchlich.

Wenn man bestimmte Voraussetzungen und Einstellungstests erfüllt, kann man zum Purser/Senior aufsteigen und ist dann der/die Kabinenverantwortliche.


G wie Galley

 

Die Galleys sind der hintere und vordere Bereich des Flugzeugs, in denen wir Essen und Getränke zubereiten. Sie sind mehr als nur unsere Küchen. Sie sind Pausenraum, Büro manchmal auch Therapiezentrum und unser Rückzugsort um die nächsten Serviceschritte vorzubereiten.

Hier wird gelacht, geweint, Babys gestillt wenn die Mamas kurz ihre Ruhe brauchen, hier bereiten wir medizinisches Equipment vor und manchmal müssen wir hier auch Leben retten, beispielsweise bei einer Wiederbelebung.

Auch die Passagiere halten sich gerne mal in den Gallens auf. Meistens nur um sich die Beine zu vertreten oder mit uns zu plaudern. Manche kommen aber auch dorthin um Yogaübungen zu machen, zu beten oder einfach weil ihnen langweilig ist.


H wie Hold

 

Die Holds sind die Frachträume eines Flugzeugs. Hier wird das aufgegebene Gepäck verstaut. Auch Tiere, besondere Ladung und manchmal auch Tote sind hier untergebracht.

Es gab mal den Fall, dass sich ein Loader (ein Mitarbeiter, der das Gepäck verlädt) in Afrika in eines der Holds geschmuggelt hat, um illegal nach Deutschland einzureisen.

Es muss ein sehr umkomfortabler Flug gewesen sein.


I wie Interphone

 

Das Interphone ist unser Bordtelefon über das wir während eines Fluges kommunizieren.

Es gibt an jeder Station ein Telefon über das man die jeweils anderen Stationen und das Cockpit erreichen kann.


J wie Jumpseat

 

Der Jumpest ist unser Flugbegleitersitz. Hier sitzen wir zu Start und Landungen. Unterhalb des Sitzes befindet sich oftmals einiges an Emergencyequipment. Außerdem lassen sich die Sitze zusammen- bzw. hochklappen, damit sie während des Fluges nicht im Weg sind.


K wie Kabine abmelden

 

Vor jedem Start und jeder Ladung muss der Purser die Kabine bei Cockpit abmelden. Diese "Cabin ready" Meldung bedeutet, dass die Flugbegleiter alle sicherheitsrelevanten Dinge überprüft haben. Dazu gehört beispielsweise, dass alle Arbeitsmaterialien verstaut und alle Passagiere angeschnallt sind, sowie das Gepäck sicher verräumt und alles lande- bzw. startklar ist.


L wie Layover

 

Ein Layover ist der Zwischenstop über Nacht außerhalb der Homebase. Auf der Langstrecke gehört das natürlich zum Standartprgogramm. Bei uns auf der Mittelstrecke kommt es allerdings nicht ganz so oft vor, da wir meist direkt wieder zurück fliegen.



M wie Medical

 

Ein Medical bezeichnet im Allgemeinen einen medizinischen Zwischenfall während eines Fluges.

Hierbei kann es sich um kleinere Situationen wie Übergeben, Nasenbluten oder Hyperventilation handeln aber auch Dinge wie Bewusstlosigkeit, Herzinfarkte oder Schlaganfälle zählen zu häufigen Notfallsituationen an Bord.

Wir sind als Ersthelfer für diese Zwischenfälle geschult aber freuen uns natürlich immer über Unterstützung durch medizinisches Personal.


N wie Nachtflug

 

Ein Nachtflug ist ein Flug, bei dem der Check-In am Abend ist und die Crew die ganze Nacht über im Einsatz ist und erst am nächsten Morgen Feierabend hat.

Nachtflüge sind bei den meisten Kollegen nicht sonderlich beliebt, denn auch der erfahrenste Flugbegleiter wird in der Nacht müde. Im Gegensatz zu den Kollegen auf der Langstrecke, haben wir aber keine Möglichkeit zu schlafen oder uns auszuruhen. Zudem wechselt man am nächsten Einsatz dann oftmals gleich wieder auf Frühschicht, sodass man sich gar nicht erst an den späten Check-In gewöhnt kann.

Zum Glück kommen die Nachtflüge bei uns in Bremen nicht ganz so häufig vor.


O wie Off-Day

 

Unsere Off Tage sind die Tage, an denen wir frei haben.

Wie man sich sicherlich denken kann, sind diese Tage jeden Monat anders verteilt. Ein wirkliches Wochenende gibt es somit bei uns nicht. Manchmal wird man auch während eines Off Tages angerufen wenn Not am Mann ist und gefragt, ob man bei einem Flug aushelfen könnte. Es steht einem aber frei, ob man den Flug machen möchte oder nicht. Lohnen tut es sich aber allemal, denn ein Flug aus dem Off wird extra vergütet.


P wie Purser

 

Wie ihr vielleicht wisst, bin ich seit anderthalb Jahren Purser.

Der Purser oder auch Senior ist der leitende Flugbegleiter in der Kabine. Er stellt den Drehpunkt zwischen Flugbegleitern, Cockpitbesatzung und Bodenpersonal dar. Er oder sie hat die Entscheidungsgewalt oder Verantwortung für alle Dinge, die innerhalb der Kabine passieren und steht in der Hirarchiedirekt unter der Cockpitbesatzung.

Wir haben auf unseren Flugzeugmustern immer nur einen Purser, bei großen Langstreckenmaschinen gibt es aber mehrere Purser, die dann auch wieder eine Rangfolge haben, denn die Langstreckencrews bestehen manchmal auch mehr als dreißig Crewmitgliedern. Dort hat dann jeder Purser seinen eigenen Arbeitsbereich mit den entsprechenden FAs.


Q wie QDM (Quick Donning Mask)

 

Die Quick Donning Mark ist eine stationäre Sauerstoffanlage, die alle Cockpitplätze mit Sauerstoff versorgt. Diese Masken sind mit einem eingebauten Atemregler und einem Mikrofon ausgerüstet.


R wie RTG (Ready To Go)

 

Die RTG ist ganz einfach eine fertig bestückte Schublade mit Getränken und Servicezubehör (Servietten, Eiswürfel, Rührstäbchen usw.) die man zum Getränkeservice auf einen Trolley stellt. Vor jedem Service wird sie auf- und danach wieder abgebaut und anschließend in einer Unit verstaut.


S wie Slot

 

Ein Slot ist ein vorgegebenes Zeitfenster, in welchem eine Fluggesellschaft einen Flughafen zum Starten oder Landen benutzen darf. Die Airlines haben keinen Einfluss auf die kurzfristige Vergabe eines Slots und so kann es manchmal kommen, dass man trotz Passagieren an Bord und Bereitsein für den Abflug noch ein oder zwei Stunden  an der Parkposition stehen muss.

Slots sind eine häufige Ursache für Verspätungen, was die meisten Passagiere gar nicht wissen. Denn wenn die Maschine wegen eines Slots morgens schon verspätet loskommt, kann die nächste Crew sie Nachmittags logischerweise auch erst verspätet übernehmen. Da ein Flugzeug den ganzen Tag für mehrere Legs unterwegs ist, zieht sich die Verspätung somit oftmals über den ganzen Tag, ohne das Flughafenmitarbeiter oder Crews etwas dafür können.


T wie Turnaround

 

Der Turnerbund ist die Zeit am Boden zwischen zwei Legs.

Wenn wir beispielsweise von Bremen nach Fuerteventura fliegen, haben wir im Anschluss meist einen Turnerbund von 50 Minuten. Innerhalb dieser Zeit steigen unsere Passagiere aus, das Flugzeug wird gereinigt, Equipment wird erneut kontrolliert, Sitztaschen werden aufgefüllt und neue Zeitungen ausgelegt. Parallel wird häufig das Flugzeug betankt und der Abfall aus den Toiletten abgesaugt sowie der Wassertank neu befüllt. Dann steigen wieder die neuen Passagiere ein und alles beginnt von vorn. Ganz schön viel in 50 Minuten oder?


U wie UM (Unaccompanied Minor)

 

Ein UM ist ein Kind, welches ohne Begleitung fliegt. Man erkennt es meistens daran, dass es eine kleine Tüte um den Hals trägtn, worin sich alle wichtigen Flugunterlagen sowie Kontaktdaten der Eltern befinden. An Bord übernehmen wir die Aufsichtspflicht für dieses Kind. Am Zielflughafen wird es dann gesondert von einem Flughafenmitarbeiter abgeholt und zu seiner Familie gebracht.


V wie Vollzeit

 

Ich fliege Vollzeit bei Germania wie so viele andere auch.

Das kann manchmal ganz schön hart sein, wenn man nebenbei noch so viele andere Sachen zu tun hat.

Es gibt aber alternativ auch einige schöne Teilzeitmodelle.

Viele Airlines bieten auch schöne Modelle für Studenten oder Mütter an. Falls ihr also mit dem Gedanken spielen solltet auch zu fliegen, aber nicht wisst, ob ihr das mit Familie und Privatleben vereinbaren könnt, informiert Euch doch mal. Ich kenne wirklich viele Mütter, die trotzdem fliegen.


W wie WCH (Wheelchair)

 

Ein Wheelchair bzw. ein Gast mit Wheelchairservice ist ein Passagier, der nicht alleine zu Fuß zum Flugzeug gehen kann und deshalb auf einen speziellen Betreuungsservice angewiesen ist. Die Passagiere werden zum Flugzeug gebracht und auch dort wieder abgeholt. So müssen sie nicht die ganzen langen Wege am Flughafen zu Fuß gehen.


X wie X-Ray

 

Auch wir als Crew müssen selbstverständlich durch die Sicherheitskontrolle. Allerdings sind unsere Beschränkungen was Flüssigkeiten angeht nicht ganz so streng, ein Glück! :D


Y wie Y Class

 

Das Kürzel Y steht in der Fliegerei für die Economy Class. Bei uns als Mittelstrecken Airline gibt es ausschließlich diese eine Klasse mit Ausnahme von ein paar Flugzielen, bei denen es noch eine Premium Economy gibt.


Z wie Zulu

 

Zulu steht zum einen für den Buchstaben Z im ICAO- Alphabet und zum anderen für die Zulu Zeit also die Einheitszeit in der Zivilluftfahrt. Wenn es in Deutschland gerade 13 Uhr ist, dann wäre es in der Zulu Zeit 12 Uhr, denn das wäre die Weltzeit ohne Zeitverschiebung +1.


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